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Autor: Johannes Raudonat

A girl’s, ahem, human’s best friend

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Ich sitze mit einigen Freunden in der Küche meiner Wohnung am Esszimmertisch. Wir haben gespeist und diskutiert, also das, was man macht, wenn man Freunde trifft. Doch ihre Gespräche und ihr Auftreten kommen mir verändert vor, und so betrachte ich sie mir bewusst genauer. Ich sehe mir ihre Mimik, Gestik, ihre Kleidung und Accessoires genauer an. Sie haben sich mit der Zeit verändert. Ich überlege, wie wir uns vor eineinhalb bis zwei Dekaden kennenlernten. Wir waren jung, quicklebendig und meistens abgebrannt und dementsprechend auch gekleidet. Jetzt sah es bei uns besser aus, und meine Freunde zeigten das auch. Sie trugen teuren Schmuck. Die Frauen, Diamantenringe und Goldketten. Und selbst einige Kerle trugen plötzlich eine Goldkette um den Hals und teure Smartwatches, deren Funktionen sie gar nicht nutzten, an den Handgelenken. Von den schweren, pompösen Autos, mit denen sie an diesem Abend vorgefahren waren, gar nicht sprechen. Midlife-Crisis?

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 28.5: Alternative Enden

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Alternatives Ende 1: Das gute Ende

Viele Jahre sind vergangen. Ich liege im Bett und neben mir, an mich gekuschelt, meine Freundin. Die dunklen Gedanken und Gefühle sind verschwunden. Das Monster, die Dämonen und den Kobold habe ich in Käfige gesperrt, die ich dann in gut verschlossene Räume stellte, auf dass ich sie nie wiedersehe.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 29: Nachwort: Von den Monstern in uns und den Grenzen Zwischen Fiktion und Realität

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Nachdem ich den Roman fertiggestellt hatte, fragte ich mich, ob ich den Leser*innen vielleicht einen Blick aus der Sicht des Autors auf den Roman geben oder ob ich sie mit ihren Gedanken und Interpretationen alleinlassen sollte. Ich kam zu der Überzeugung, dass ich das Werk eigentlich für sich stehen lassen könnte, doch dann gab es da einige Begegnungen mit vermeintlichen Leser*innen, die begannen, das lyrische Ich mit dem Autor, also mir, gleichzustellen, wobei ich es immer wieder faszinierend finde, dass sie immer wieder Anspielungen auf das lyrische Ich machen, aber nicht zugeben wollen, den Roman gelesen zu haben.
Um diesen Menschen nicht die Blöße zu geben, sich absichtlich oder unabsichtlich outen zu müssen, hier ein kurzes Nachwort.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 28: Der Ritte auf Messers Schneide

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Tage und Wochen vergehen und ich balanciere auf Messers Schneide. Ich habe den Eindruck, dass ein falscher Schritt, eine falsche Tat, ausreicht, um abzustürzen. Abzustürzen in einen Abgrund, in dem schon die Dämonen und Monster heulen und warten, um mir mein selbstbestimmtes Leben zu nehmen. Doch mit der Zeit werde ich sicherer. Ich finde Menschen, die mir Sicherungsseile zuwerfen. Zuerst einzelne und danach mehr und mehr.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 27: Träume

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

In dieser Nacht träume ich viel. Es sind einige gute Träume, aber auch einige Albträume dabei, und ich wache regelmäßig auf. Die Träume, die ich habe, handeln von möglichen Zukünften für mich. Von Zukünften, in denen ich mich selbst und meinen Weg gefunden habe und glücklich durch mein Leben gehe. Glücklich und in der Hoffnung, etwas Positives zu hinterlassen. Doch dann sind da auch noch die Albträume, oder sollte ich sie eher als negative Träume bezeichnen? Es sind Träume, die von Verrat und Missgunst künden. Träume, in denen ich meinen Weg verliere und nicht glücklich durch mein Leben gehe, sondern eher planlos durch es stolpere.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 25: Der Verlust der Technikgläubigkeit

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich sitze mit einigen Arbeitskollegen, die ich bereits seit 20 Jahren kenne, in der Kantine und wir unterhalten uns über künstliche Intelligenz und den technischen Fortschritt im Allgemeinen. Plötzlich sagt ein Kollege, dass er sich gerade eine KI-Freundin zugelegt habe, nachdem seine letzte Beziehung wieder in die Brüche gegangen ist, und dass mit seiner künstlichen Freundin einfach alles klappe. Der Grund sei, dass sie ihm unwidersprochen zuhöre, nur Zeit beanspruche, wenn er sie mit ihr verbringen möchte, und einfach immer freundlich zu ihm sei, egal was er auch erzähle. Auf meine Nachfrage hin, ob er denn nicht das Zwischenmenschliche und das aneinander und miteinander Wachsen in einer Beziehung vermisse, meint er nur, dass das überbewertet sei, und wenn es um die sexuelle Befriedigung gehe, es notfalls auch die Hand oder eine moderne Sexpuppe täte. Er meint, dass sich die modernen Pumpen schon ziemlich real anfühlten.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 24: Der Mensch braucht jemanden, auf den er herabschauen kann

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Eigentlich wollte ich rausgehen, ein Fest oder eine Kneipe besuchen und vielleicht neue Menschen kennenlernen, doch es fällt mir immer schwerer, mich aufzuraffen. Immer schwieriger, mit den Menschen zu kommunizieren und eine Verbindung aufzubauen. Ich frage mich, warum das so ist.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 23: Verfolgungsangst

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ich bin auf Dienstreise und muss das erste Mal seit Langem wieder mit dem Auto fahren. So schleiche ich mit 80 km/h auf der rechten Spur der Autobahn durch den Verkehr und fühle mich unwohl. Doch nicht nur das, mein Blick wandert immer und immer wieder in den Rückspiegel und ich habe den Eindruck, dass mich das Auto hinter mir verfolgt. Es verfolgt mich, denn es ist bereits seit einer Stunde hinter mir, obwohl es genug Zeit und Gelegenheit gehabt hätte, mich zu überholen.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 22: Überinterpretation

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Es ist später Abend und ich sitze an meinem Wohnzimmertisch mit einem Glas Wasser in den Händen. Meine Hände zittern. Ich fühle mich aufgekratzt und von mir selbst genervt. Der Grund ist, dass ich eigentlich einen schönen Abend mit Freunden verlebte, doch irgendwann kam der Moment, in dem plötzlich ein Wort das andere gab und ein großer Streit entbrannte. Ein Streit, der so weit eskalierte, dass wir uns nur noch anschrieen, bis ich schließlich aufstand und ging.
Ich ging nach Hause und versuchte, etwas Schlaf zu finden, doch der Schlaf wollte sich nicht einstellen, zu aufgekratzt war ich. Also stand ich wieder auf und setzte mich an den Wohnzimmertisch, mit einem Glas Wasser, um vielleicht so zur Ruhe zu kommen.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 21: Spiritualität

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Das Davonrennen vor meinen Gedanken führte dazu, dass ich mich mehrere Tage komplett verausgabte und mir jetzt all meine Muskeln schmerzen, so dass ich kaum noch aufzustehen vermag. Was tun? Irgendwelche Filme oder Serien schauen? Nicht mein Ding. Eine Zeitung lesen? Keine Lust. Ich lasse meinen Blick über mein Comic- und Manga-Bücherregal streifen. Er bleibt beim Manga „Shaman King“ hängen, meinem einstigen Lieblingsmanga. Ich greife nach dem ersten Band und überlege, wann ich ihn das letzte Mal gelesen habe. Es ist sicherlich schon eine Dekade her. So lege ich mich auf mein Sofa und beginne zu lesen.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 20: Personenkulte und der Kampf zwischen dem Individuum und der Allgemeinheit

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich bin mit einem Freund und seiner Tochter spazieren. Die Tochter kenne ich seit zehn Jahren, also knapp nach ihrer Geburt, als sie noch von ihren Eltern im Kinderwagen durch die Gegend geschoben wurde, da sie nur so verlässlich einschlief. Bei einer Pause sagt das Mädchen, dass ihr Vater daran denken solle, dass er ihr versprochen habe, auf dem Rückweg noch mit ihr einkaufen zu gehen. Sie spricht von Produkten, die ich nicht kenne, woraufhin ich ihren Vater danach frage. Auf meine Frage hin meint er, dass das Produkte einer Influencerin seien, die seine Tochter gerade als Idol verehrte. Den Namen der Influencerin, den er nannte, hatte ich noch nie gehört, und als ich das zum Ausdruck bringe, schaut mich das Mädchen skeptisch an und fragt, ob ich die letzten Jahre unter einem Stein gelebt hätte.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 19: Eine Nacht im dunklen Wald

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Während ich auf der Burgruine war, hatte ich die Zeit vergessen, sodass bereits die Sonne hinter dem Horizont verschwand. Doch nicht nur das. Um meine Gedanken zu beruhigen, hatte ich ruhige Musik gehört, sodass mein Smartphone ausging, was auch der Grund dafür war, aus meinen Gedanken aufzutauchen und die vorgerückte Stunde zu bemerken.
Also los. Erst relativ zügig und dann, mit abnehmender Helligkeit, immer langsamer und auf jeden Schritt bedacht, mache ich mich auf den Rückweg.
Da ich keine Musik oder ein Hörbuch mehr hören kann, um meine Gedanken zu beruhigen, beginnen sie zu wandern.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 18: Von Liebe, Romantik und Sexualität

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Los, noch fünf Kilometer wandern. Los, noch mehr verausgaben, damit die Gedanken endlich verstummen. Los, weiter.
Jetzt stehe ich auf einer Burgruine, auf einem Berg, und schaue ins Tal hinab. Die Menschen und Städte liegen so klein vor mir. Ich atme langsam ein und wieder aus. Mein Puls kommt zur Ruhe. Ich schaue auf meine Smartwatch und stelle fest, dass ich bereits 34 Kilometer gelaufen bin.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 17: Dunkle Geheimnisse

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Gefährliche Worte erzählte sie dir,
etwas davon weckte meine Gier,
heimlich wollte sie es nicht länger halten,
endlich ein neues Leben gestalten,
in dem du ihr Absolution gäbest,
mit ihrem Geheimnis in der Brust fortan lebtest.

Hoffentlich hält das deine Moral aus,
auf jeden Fall kommst du aus dem Dilemma nicht raus,
lieber hätte sie es dir nie erzählt,
tagein, tagaus, etwas, das dich quält.
Ein Geheimnis von dunkler Gestalt,
nun hast du sie aber auch in deiner Gewalt.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 16: Ein schlechter Morgen

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Ich wache auf. Mein Kopf brummt und mir ist schlecht. Ich schaue auf die Uhr und stelle fest, dass es eigentlich Zeit wäre, aufzustehen. Doch ich kann mich nicht dazu aufraffen und denke, dass es ein guter Tag wäre, einfach einmal liegenzubleiben und die Welt, Welt sein zu lassen.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 15: Die Verarmung der Sprache

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Die Urlaubszeit neigt sich ihrem Ende entgegen und kurz bevor sie zu Ende geht und viele meiner Freunde sich wieder in ihre Alltagsroutinen stürzen, treffen wir uns zu einem gemeinsamen Abendessen. Es ist ein gemütlicher Abend und den ein oder anderen Freund frage ich, wie denn der Urlaub war. Doch die Antworten sind keine Beschreibungen, die Bilder in meinem Gehirn erschaffen. Keine Worte, die Eindrücke, Gefühle oder auch nur Düfte beschreiben. Nein, die Antwort, die ich am meisten von meinen Freunden erhalte, ist: „Hättest du Instagram, könntest du die Bilder von unserem Urlaub sehen.“

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 14: Der Schrei

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich sitze mit einigen Freunden zum gemeinsamen Abendessen am Tisch. Ich unterhalte mich gerade mit einer Bekannten, die ich seit zwei Jahren nicht mehr sah, als plötzlich eine Freundin, die ich sehr mag, mich anschreit. Sie schreit: „Dann gib es halt her!“, worauf ich ihr, wie automatisch, das geforderte Utensil reiche. Wobei ich etwas unter Schock stehe, da ich nicht weiß, warum sie mich plötzlich anschreit. Ich frage sie, was denn los sei und sie meint, dass sie doch gehört habe, dass ich unzufrieden damit bin, dass sie ihre Küchenaufgabe noch nicht erledigt habe. Auf meine Aussage hin, dass wir gar nicht darüber gesprochen hätten, meint sie, dass sie sich dann wohl verhört habe. Doch ihre Aussage stellt mich nicht zufrieden, denn dann hätte sie mich nicht angeschrien, sondern nur nachdrücklich nach dem Utensil gefragt, mit der Begründung, die Arbeit fertig machen zu wollen. Sie hätte vielleicht etwas genervt geklungen, doch geschrien hätte sie sicher nicht.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 13: Schöne Momente

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Endlich Urlaub. Drei Wochen nicht an Arbeit denken, entspannen und wandern gehen. Ich freue mich darauf. Die ersten Tage bringe ich meine Wohnung in Ordnung, dann gehe ich einige Tage wandern und während ich wandere, beginnen auch meine Gedanken zu wandern. Sie wandern zu den Erlebnissen der letzten Monate. Und ich bin überrascht, dass das hauptsächlich negative Momente sind. Streit, Auseinandersetzungen und Missgunst. Mein Leben besteht doch nicht nur aus solchen Momenten, oder?

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 12: Der Tod vibriert am Handgelenk

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Ich bin auf der Arbeit und sitze in einer Besprechung. Die Besprechung neigt sich ihrem Ende entgegen, als plötzlich meine Smartwatch vibriert und eine Nachricht anzeigt. Die Nachricht ist von meiner Mutter und lautet wie folgt: „Der Kater ist tot.“ Sofort merke ich, wie mir der Boden unter den Füßen weggezogen wird und ich muss mit mir ringen, dass mir nicht die Tränen in die Augen steigen. Ich ringe mit mir, noch die Besprechung durchzustehen und am besten nichts zu sagen, da ich weiß, dass dann meine Stimme versagte.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 11: Toxische Männlichkeitsideale

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Es stellte sich leider heraus, dass ich der Freundin wirklich einen Kuss gestohlen hatte. Andere anwesende Bekannte bestätigten mir das und meinten, dass sie ganz verwundert darüber waren, dass ich so ein Verhalten an den Tag legte, da das gar nicht zu mir passen wollte. Ich versuchte auch mich bei der Freundin zu entschuldigen, doch auf meine Nachrichten antwortete sie nicht und zufällig sehen, tat ich sie auch nicht.
Was das Monster betrifft, so ist es zurück und ob ich jetzt im Traum oder im Wachen mit ihm Zwiesprache gehalten hatte, ist erst einmal irrelevant. Ferner stellte ich fest, dass es damit recht hatte, dass ein neuer Kampf mit ihm noch schwerer als der erste würde. Der Grund dafür ist, dass es wirklich schwer ist, es von der Nahrungsversorgung abzuschneiden. Überall im Internet und in den sozialen Medien stolpert man über Artikel, in denen Influencer erklären, wie man am besten Frauen abschleppt, gerade so, als wären sie Objekte. Doch nicht nur das, darüber hinaus findet man auch Tipps dazu, was ein Mann tun und lassen muss, um Frauen zu imponieren. Es ist wie aus dem Lehrbuch der klassischen Ehe des neunzehnten Jahrhunderts, was die selbst genannten Manfluencer und Pick-up-Artists da online verbreiten.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 10: Der gestohlene Kuss oder das Monster im Käfig

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Der Abend ist spät geworden und die Zeit des Aufbruchs ist gekommen. So stehe ich auf und verabschiede mich von meinen Freunden und Bekannten mit einer Umarmung. Zuletzt umarme ich eine Bekannte, die mir seit Jahren gut und teuer ist. Als ich sie so umarme, sehe ich ihr schönes Lächeln, ihre glitzernden, freundlich in die Welt blickenden Augen und spüre ihre Nähe, die mich entspannen lässt. In diesem Moment greift etwas nach meiner Seele, flüstert mir ein, sie doch einfach zu küssen und ich versuche mich zu wehren, doch es gelingt mir nicht. Wie ferngesteuert neige ich mich nach vorn, um ihr einen Kuss zu stehlen, doch scheinbar möchte sie ihn sich nicht klauen lassen, denn sie drückt mich von sich weg und kurze Zeit später spüre ich ihre Hand schmerzhaft auf meiner linken Wange. Zur gleichen Zeit ertönt ein lautes Klatschgeräusch und bevor ich noch etwas sagen kann, drehte sie sich weg und verschwindet aus meinem Sichtfeld.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 9: Eifersucht und Schüchternheit

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Es ist Samstagabend und ich habe mich doch noch dazu durchringen können, mich mit einigen Freunden und Freundinnen zum gemeinsamen Kochen zu treffen. Ein Abend, um abzuschalten und zu versuchen, jegliche politische Diskussionen zu umfahren. Der Abend beginnt auch vielversprechend und zu meiner Freude ist auch eine Freundin da, die ich sehr mag. Eine Freundin, die ich fast zu sehr mag.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 8: Die Linke und die Rechte

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Es ist Freitagabend und ich sitze an meinem Wohnzimmertisch und höre leise Musik. Eine anstrengende Woche liegt hinter mir und eigentlich wollte ich noch weg. Vielleicht ein paar Freunde in einer Bar treffen oder mal wieder zum Sportverein, alte Bekannte treffen und etwas gegen meinen immer mehr Raum greifenden Bauch tun. Doch ich kann mich nicht aufrappeln.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 7: Es ist nur lustig, wenn man nicht selbst betroffen ist

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Mal wieder sitze ich an einer Haltestelle und warte auf die S-Bahn. Manchmal gewinne ich den Eindruck, dass sich mein halbes Leben beim Warten auf und in öffentlichen Verkehrsmitteln abspielt, doch dem ist nicht so. Es ist nur so, dass an S-Bahnhaltestellen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln viel passieren kann und auch passiert, was von der Routine abweicht und man Menschen sieht oder trifft, mit denen man normalerweise keinen Kontakt hat. Dadurch kommt einem in der Retroperspektive die Zeit häufig länger vor, da einfach mehr Erinnerungen vorliegen, als in den Zeiten, die man auf der Arbeit oder Zuhause verbringt, die hauptsächlich routiniert ablaufen und aufgrund dessen wenige neue Erinnerungen erschaffen.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 6: Soziale Medien

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Immer öfter sitze ich, wie jetzt, einfach im Zug, höre leise Musik und betrachte die Menschen um mich herum, die gebannt auf ihre Smartphones schauen und sich durch die verschiedenen Social-Media-Apps wichen. Ich betrachte die Menschen, da mir seit einiger Zeit der Nerv fehlt, um Zeitung zu lesen, und ich ja schon vor einigen Wochen alle Social-Media-Apps von meinem Smartphone verbannte. Am Anfang war das noch ungewohnt, denn wie automatisch nahm ich das Smartphone zur Hand, um zu schauen, ob es etwas Neues gibt, nur um dann festzustellen, dass ich die Apps gar nicht mehr auf meinem Smartphone habe. Doch mit der Zeit gab sich der Zwang und selbst abends stürzte ich bald nicht mehr an meinen PC, um zu überprüfen, was ich denn „wichtiges“ verpasst habe.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 4: Die Abstimmung mit den Füßen

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Manch einmal ist Routine das Einzige, was einen noch funktionieren lässt. So auch bei mir. Schlafen, aufstehen, zur Arbeit gehen, heimkommen, etwas Haushalt machen und wieder schlafen. Zwischendurch noch etwas essen oder trinken, und dabei möglichst wenig denken. Schon ist das routinierte Leben da. Ob so ein Leben sinnvoll oder erfüllend ist, sei erst einmal dahin gestellt, denn zumindest bekommt man seine Zeit so herum, so auch ich.
Nachdem ich erfahren hatte, dass meine beste Freundin erst einmal nichts mehr mit mir zu tun haben möchte, brach ein Teil meiner Welt zusammen und nur die Routine ließ mich noch funktionieren. Nach einer Woche schrieb ich noch einmal meiner besten Freundin, ob wir uns zum Reden treffen könnten, worauf ich wieder keine Antwort erhielt. Ich überlegte gar, ob ich sie vielleicht einmal überraschen sollte, indem ich bei unserer gemeinsamen Freundin vorbeiginge, da ich wusste, dass sie bei ihr, bis sie wieder eine eigene Wohnung gefunden hat, Unterschlupf gefunden hatte. Doch das käme selbst mir übergriffig vor. Und übergriffig wollte ich nicht erscheinen, denn dann hätte unsere Freundschaft erst recht keine Zukunft mehr.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 3: Die gute Freundin

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Als ich auf dem Heimweg in der S-Bahn sitze und an meinem Smartphone kurz die neusten Nachrichten des Tages überfliege, ploppt eine Mitteilung auf, dass mir meine beste Freundin eine Sprachnachricht geschickt hat. Ich öffne die Messenger-App und höre ihre Sprachnachricht an.

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 2: Ein alter Klassenkamerad

Geschätzte Lesezeit: 12 Minuten

Ich wache wieder schweißgebadet auf, nur diesmal auf meinem Sofa. Verdammt, wie spät ist es? Ich schaue auf die Uhr. Mitternacht. Na dann habe ich ja noch Zeit, noch eine Runde zu schlafen, doch zuerst gehe ich ins Bad, dusche mich und putze mir die Zähne, bevor ich mich schließlich in mein Bett fallen lasse. Im Bett kann ich aber nicht wieder einschlafen. Gedanken streifen durch meinen Kopf. Warum war ich schon wieder durchgeschwitzt? Ich versuche mich daran zu erinnern, ob ich etwas träumte, und tatsächlich erinnere ich mich vage an einen Traum, oder war es doch eher ein Bild von einem Traum? Ich erinnere mich, das Abschlussbild meiner Mittelschulklasse zu sehen. Ich, leicht rechts, hinter vielen Köpfen beinahe verdeckt. Doch, viele lachende Gesichter um mich herum. Plötzlich fangen einige an zu verblassen, bis sie schließlich gänzlich verschwinden. Bei wieder anderen, um genau zu sein, bei vier meiner damaligen Mitschüler, vertrocknet die Haut und das Fleisch und am Ende sind nur noch Gerippe übrig. Das Verschwinden meiner ehemaligen Klassenkameraden geht so lange, bis nur noch die vier Gerippe, einer meiner alten Freunde und ich, auf dem Bild zu sehen sind. Doch scheinbar ist das Ende noch nicht erreicht, denn auch der Freund verblasst schon langsam. Was mag das nur bedeuten?

Vom Versuch nicht „verrückt“ zu werden – Teil 0: Prolog

Geschätzte Lesezeit: 10 Minuten

Ich sitze an meinem Esszimmertisch und versuche, einem Hörspiel zu folgen. Es gelingt mir nicht. Meine Gedanken schweifen wieder und wieder ab. Sie schweifen zu all den Problemen und Anforderungen, die mir Tag für Tag begegnen. Sie lassen mich einfach nicht zur Ruhe kommen.
Ich bin unzufrieden mit mir selbst. Ich merke, wie ich mich langsam, aber stetig verändere. Wobei die Veränderung an und für sich eigentlich nicht das Problem ist. Das Problem ist, dass ich mich in eine Richtung verändere, die mir selbst zuwider ist. Ich merke, wie ich immer dünnhäutiger werde. Wie ich immer schneller aus der Haut fahre und häufig denke „Was für ein Idiot.“, wenn ich mit Menschen zu tun habe, die meine Sicht auf die Welt nicht teilen.

Die „fehlgeschaltete“ Ampel

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Reifen quietschen und wenige Zentimeter vor meinen Beinen bleibt ein Auto stehen, das gerade eben schon einmal stand, aber plötzlich mit Vollgas anfuhr. Mein Herz pocht rasend und ich schaue durch die Frontscheibe des Autos, das mich beinahe überfahren hätte. Die Frau, wobei es auch ein Mann sein könnte, denn ähnlich Situationen habe ich auch schon mit männlichen Autofahrern erlebt, zeigt mir einen Vogel und zeigt auf die Fußgänger Ampel in meinen Rücken, die rot anzeigt, worauf hin ich auf die Fußgängerampel zeige, auf die ich zulaufe und die immer noch grün ist, aber die Frau nimmt die grüne Ampel nicht wahr oder will sie nicht wahrnehmen und zeigt immer weiter auf die rote Fußgängerampel in meinem Rücken und ich denke bei mir: „Schon wieder ein Autofahrer, der viel zu wenig zu Fuß unterwegs ist, denn sonst wüsste er, dass bei breiten Straßen, die einen Mittelstreifen mit Ampeln haben, die Ampeln zwischen den Fahrspuren meistens eher auf Rot schalten als die außen liegenden. Der Grund dafür ist, dass dadurch nur in Ausnahmefällen, sehr langsame Menschen, auf dem Mittelstreifen stehen bleiben müssen, während die, die in normalem Tempo die Straße kreuzen, zügig über den Mittelstreifen auf die andere Straßenseite wechseln können.“

Ich, der Frosch – Eine Satiere

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Übermüdet wache ich auf und gehe vom Schlaf- ins Wohnzimmer. Ich schaue aus dem Fenster und mein Wohnzimmer spiegelt sich in der Scheibe vor dunkler Nacht. Womit ich nicht rechne, ist, dass ich anstelle meiner einen Frosch sehe. Verdammt, scheinbar hat mich jemand verflucht. Ich schaue mich weiter in der spiegelnden Scheibe an und stelle fest, dass es mich hätte schlimmer treffen können, wie Gregor Samsa in Kafkas Roman „Die Verwandlung“, der in „Ungeziefer“ verwandelt wurde. Dann doch lieber ein Frosch, denn wenn ich ehrlich bin, so habe ich so einen flachen Bauch und so gelenkige Gliedmaßen schon lange nicht mehr. Ferner besteht ja noch die Hoffnung auf eine Rückverwandlung, wenn ich mich nur daran erinnerte, was es ist, das den Fluch im Märchen bricht.
Da gab es doch das eine Märchen der Gebrüder Grimm. Ach, wie hieß es noch einmal. Ach ja, es war das Märchen „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ in dem die Prinzessin den Frosch durch einen Kuss zurückverwandelt. Doch wie jetzt ein Mädchen finden, das mich küsst?

Die vierte Wand

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ich hole mit dem Vorschlaghammer aus und schlage zu. Wieder und wieder schlage ich zu und langsam zeigen sich Risse in der Wand. Mit jedem Schlag werden die Risse größer und langsam lösen sich einzelne Mauerstückchen. Schließlich ist ein kleines Loch entstanden, das schnell größer wird, bevor die Wand schließlich gänzlich in sich zusammenfällt.
Die Wand, die ich gerade einreise, habe ich über die Jahre, mehr oder weniger unbemerkt, selbst errichtet, so wie es viele von uns tun. Es ist eine Wand, die unsere Leben in einen Raum sperrt, von dem man aus das wirkliche Leben und die Welt höchstens noch durch einzelne Fenster sieht, aber sie nicht mehr aktiv wahrnimmt. Man kann sie nicht spüren und ist meistens auch kein aktiver Teil der Realität mehr. So sieht man zwar Menschen und die Welt, aber was wirklich geschieht, sieht man nur ausschnittsweise und verfälscht. Ferner hört man auch nicht alles, was gesagt wird, sondern nur das, was man erwartet und das ist häufig eine Verfälschung des Wirklichen.

Wahlen

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Da hängen sie wieder. An Pfeilern und Laternenpfählen hängen sie und auch einige Aufsteller sind zu sehen. Sie zieren das Stadtbild und werden uns auch noch die nächsten Monate begleiten. Es sind Wahlplakate mit meist einfachen Sprüchen, die die Wähler dazu animieren sollen, ihr „Kreuzchen“ an der richtigen Stelle zu setzen. Wobei auffällt, dass die Plakate der eher rechtsgerichteten Parteien höher hängen, als die der Anderen. Ob als Sorge vor Beschädigung oder als Übung fürs zukünftiges Aufknüpfen, sei einmal dahin gestellt.

Die verdorrte blaue Blume

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Ich lasse die Zeitung sinken und blinke in die Ferne. Ich frage mich, was nur aus unserer Welt geworden ist. Als wäre es noch nicht schlimm genug, dass es wieder mehrere Kriege gibt, die Umwelt mehr und mehr zerstört wird und der Klimawandel scheinbar ungehindert voranschreitet, nein, auch die romantische Liebe ist jetzt auch noch unter Druck. Die romantische Liebe, die scheinbar nicht mehr in unsere Zeit passt.
Der Artikel, der mich das denken lässt, heißt „Himmel, was ist Sugardating?“. Die Zeitung in der der Artikel steht, „Die Zeit“. Doch wirklich überrascht hat mich der Artikel, wenn ich ehrlich bin, auch nicht mehr, denn dafür habe ich schon vorher zu viel gelesen und auch selbst zu viel erlebt.
Doch was ist überhaupt die romantische Liebe, die in unserer Gesellschaft unter Druck gerät? Es ist die Liebe, die auf einer tiefen Zuneigung zweier Menschen zueinander basiert und über Standes- und kulturelle Grenzen hinweg wirkt. Aber vielleicht sollte ich etwas weiter ausholen.

Angst

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Ich bin auf einer Wanderung und habe mich in der Zeit verschätzt, sodass ich mich noch im tiefsten Wald befinde, obwohl es bereits dämmert. Was soll ich tun? Zurück in bewohnte Gebiete schaffe ich es sicher nicht mehr, bevor die Nacht hereinbricht. Die Nacht, die besonders dunkel sein wird, da Neumond ist und ich weit von einer Stadt oder einem Dorf entfernt bin, das mir durch seine Lichtverschmutzung, zumindest etwas, die Nacht erhellte.

Unter AFD-Wählern

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Ich befinde mich auf einer Dienstreise im Ruhrgebiet. Es ist der Nachmittag des zweiten Tages und wir befinden uns bei einem Unterlieferanten, eines Maschinenlieferanten. Wir haben den geschäftlichen Teil abgeschlossen und sprechen, wie es in solchen Fällen üblich ist, noch über dieses und jenes. Während dieses Gespräches kommt das Thema „Ukraine Krieg“ auf. Der „Ukraine-Krieg“, der bereits viele Menschenleben kostete, wobei jeden Tag noch mehr hinzukommen. Doch anstatt den Krieg zu verurteilen, bringen fünf der sieben Anwesenden zum Ausdruck, dass er uns nichts anginge und der Russe zum Teil recht habe. Die fünf Anwesenden, die wie ich, ihre Wurzeln in den neuen Bundesländern haben, begründen ihre Meinung damit, dass die NATO sich halt so weit ausgebreitet und die Russen bedroht habe, dass sie die Zähne zeigen müssten. Ferner bringen sie zum Ausdruck, dass Putin nur die Fehler rückgängig mache, die seine Vorgänger begingen, in dem sie die Sowjetunion zerfallen und die Teilstaaten in ihre Unabhängigkeit entließen.

Fällt dir etwas an mir auf?

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Es ist Montag und ich stehe gerade etwas kurzsichtig an der S-Bahnhaltestelle „Karlsruhe Marktplatz“. Kurzsichtig, da ich am vergangenen Tag durch Unachtsamkeit meine Brille unreparierbar beschädigte, was auch der Grund dafür ist, dass ich jetzt hier stehe. Ich bin hier, da ich gerade beim Optiker war, um eine neue Brille zu bestellen und mich jetzt auf den Weg zu meiner Arbeitsstelle befinde.
Während ich so da stehe und auf die S-Bahn warte, spricht mich eine Frau an: „Fällt dir etwas an mir auf?“ Ich bin von der Frage irritiert und überlege, ob ich die Frau irgendwoher kenne. Doch trotz meiner momentanen, nicht durch eine Brille korrigierte, Fehlsichtigkeit, bin ich mir sicher, sie nicht zu kennen. Doch da ich direkt angesprochen wurde, lasse ich mein Blick flüchtig über sie wandern und meine: „Nein, mir fällt nichts auf.“, da ich wirklich nichts Auffälliges an ihr sehe. Auf meine Aussage hin sieht sie mich irritiert an und sagt: „Schau mich noch einmal genau an, fällt dir tatsächlich nichts an mir auf.“ Daraufhin schaue ich sie mir noch einmal genau, mit leicht zusammengekniffenen Augen, aufgrund meiner Fehlsichtigkeit, an. Bei der Frau handelt es sich um eine Frau mittleren Alters, die nicht besonders hübsch, aber auch nicht besonders hässlich ist. Sie hat kurzes, gekräuseltes Haar, keine markanten Gesichtszüge und trägt auch kein auffälliges Make-up oder auffälligen Schmuck. Auch ihre Kleidung ist von einem schlichten und zeitlosen Wesen.

Tischgespräche 1: Waffenlieferungen und Flüchtlinge

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Person 1:
Was denkst du über die Panzerlieferungen an die Ukraine?

Person 2:
Ich halte sie für richtig.

Person 1:
Meinst du nicht, dass unsere Unterstützung zu weit geht und wir dadurch den Krieg verlängern und die Situation verschärfen? Meinst du nicht, dass wir uns besser heraushalten und mit Russland verhandeln sollten?

Vom Verb „huren“ und dem Versuch ehrlich zu sein und seine Meinung zu sagen

Geschätzte Lesezeit: 16 Minuten

Vorwort:
Die folgende Geschichte ist frei erfunden. Parallelen zu lebenden oder bereits gestorbenen Menschen sind rein zufällig und wahrscheinlich der Beschreibung des Sozial- und Sexualverhaltens verschiedener Mitglieder unserer Gesellschaft geschuldet. Sollte sich trotzdem einzelne Personen oder Personengruppen durch diese Kurzgeschichten angegriffen fühlen, tut es mir herzlich leid, aber sie können sich jegliche Kritik an ihr sparen, da ich ohnehin nicht auf sie eingehen werde und darüber hinaus die Kurzgeschichte einfach nur unterhalten und zum Nachdenken anregen soll.

Damit genug des Vorwortes und viel Spaß bei der Lektüre der Kurzgeschichte.

Midlife-Crisis – Brief 9: Die Büchse der Pandora

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Liebe Freundin,
vielen Dank für deine letzte Antwort. Du schreibst, dass man ruhig mehrere Lebensprojekte parallel laufen haben kann, je nachdem wie groß die Projekte sind. Ferner bringst du zum Ausdruck, dass man auch immer wieder neue Projekte in Angriff nehmen sollte, da sonst das Leben irgendwann fad und langweilig wird.
Was diese Aussagen betrifft, so muss ich dir recht geben. Leben ohne Projekte sind trist und fad. Es sind langweilige Leben, in denen man nicht selten seine Zeit für unwichtige Dinge verschwendet und über kurz oder lang dahinzuvegetieren beginnt. Doch trotzdem bin ich der Meinung, dass man nicht immer und immer wieder neue Projekte anfangen soll, sondern auch Projekte abschließen und das besonders in der zweiten Lebenshälfte, so dass am Ende, wie im vorherigen Brief geschrieben, nicht lauter lose Enden verbleiben.

Midlife-Crisis – Brief 8: Angefangenes zu Ende bringen

Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

Liebe Freundin,
vielen Dank für deinen letzten Brief. Es freut mich, zu hören, dass es dir gut geht. Was deine Frage betrifft, wie es mir so geht, so muss ich leider antworten, wenn ich ehrlich bin, dass es mir momentan nicht besonders gut geht. Wenn ich voraussetze, dass deine Frage eine ehrliche und nicht nur eine Floskel ist, wie bei vielen Menschen heute, worauf die höfliche Antwort „Gut.“, wäre, so ist doch die ehrliche Antwort: „Nicht so besonders.“ Und dadurch, dass wir uns bereits so lange kennen, denke ich mal, dass zwischen uns die Frage, wie es einem geht, nicht nur eine Floskel ist. Doch ich lasse meine Gedanken abschweifen.
Der Grund dafür, dass es mir nicht besonders gut geht, ist, dass ich einen Unfall zwischen einem zweiundzwanzigjährigen Radfahrer und einer sechsundachtzigjährigen BMW-Fahrerin als Zeuge und Ersthelfer miterlebte. Einen Unfall zwischen einem Menschen, relativ am Anfang seines Lebens, und eines Menschen, dessen Leben doch schon recht weit fortgeschritten ist. Doch lass mich dich mit zurück an den Abend des Unfalls nehmen.

Midlife-Crisis – Brief 7: Eitelkeit

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Meine gute alte Freundin,
als ich deine Antwort auf meinen letzten Brief las, musste ich von Herzen schmunzeln. Ich musste schmunzeln, da du zum Ausdruck brachtest, dass die Menschen nicht nur mit Ende zwanzig bis Mitte dreißig innerlich zu sterben beginnen, sondern heutzutage schon viele in ihrer Pubertät, als Teenager oder junge Erwachsene. Du meinst, dass viele von uns bereits in ihren jungen Jahren zerbrächen und innerlich stürben. Als Grund für diese, deine Beobachtung führst du an, dass sich viele der jungen Leute in den sozialen Medien miteinander vergleichen und nicht selten nach einem überzogenen körperlichen Idealbild streben, wenn sie sich nicht gar überzogene „Werbe- und Filmfiguren“ als ihr Wunschspiegelbilder heraussuchen.

Midlife-Crisis – Brief 6: Schrödingers Katze

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Liebe Freundin,
ich finde es schön, dass du schreibst, dass du nach der romantischen Liebe und einen Seelengefährten suchst. Nach einem Seelengefährten, mit dem du offen über alles kommunizieren und durch die Zeit gehen kannst.
Ferner bringst du auch zum Ausdruck, dass manche Menschen in der Mitte ihrer Leben nicht unbedingt fremdgehen, um die Bestätigung ihrer selbst, durch die Eroberung, zu erfahren, sondern, weil sie es als ein Abenteuer betrachten. Sie sehen es als ein Nervenkitzel, da immer das Risiko des erwischt werden besteht. Du siehst den Grund für diese Suche nach Abenteuern darin, dass viele Menschen, in der Mitte ihrer Leben, in Routinen gefangen sind und sich nicht selten innerlich tot fühlen. Sie fühlen sich leer und gelangweilt, und suchten aufgrund dessen das Abenteuer, um wieder zu spüren, dass sie noch leben und nicht bereits innerlich gestorben sind.

Midlife-Crisis – Brief 5: Liebe ungleich Sex ungleich Penetration

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Liebe Freundin,
du schreibst, dass dir das Schuldzuweisungsspiel auch bereits aufgefallen ist. Überdies bringst du zum Ausdruck, dass es dir hauptsächlich in „Liebesbeziehungen“ auffiel, die mit der Zeit brüchig wurden. Ferner bringst du auch zum Ausdruck, dass du das besonders häufig beobachtetest, wenn einer oder beide der Partner*innen in eine Midlife-Crisis rutschten und aufgrund dessen ihre Leben neu zu beurteilen begannen.
Ich muss sagen, dass das mir auch schon aufgefallen ist. So habe ich zur Liebe und Sexualität bei vielen Freunden und Bekannten einige Beobachtungen gemacht, die mir symptomatisch für die Midlife-Crisis der Menschen erscheinen. Dabei sei schon einmal gesagt, dass das Verhalten der einzelnen Personen stark davon abhängig ist, was für ein „Liebesleben“ sie führten, bevor sie in die Krise schlitterten.

Midlife-Crisis – Brief 4: Die Suche nach einem Schuldigen

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Liebe Freundin,
als Antwort auf meinen letzten Brief schriebst du, dass vielleicht ja all die Realisten, die Verrückten sind. Die Realisten, die die Welt sehen, wie sie ist und nicht selten an ihr verzweifeln, während es denen, die sich in Blasen der Ignoranz flüchten, wahrscheinlich leichter fällt, ein glückliches Leben zu führen. Denn ist es nicht ein Segen der Ignoranz, dass es einem durch sie gelingt, viele der Ungerechtigkeiten und Zerstörungen, die tagtäglich auf unserer Welt geschehen, auszublenden. Du meinst weiterhin, dass meistens die zerbrechen, die die wirkliche Realität sehen und trotzdem nach einer Utopie streben, in der alle glücklich, friedlich und nachhaltig zusammenleben.
Was deine Sicht betrifft, so kann ich sie nachvollziehen. Ich kann sie nachvollziehen, auch wenn ich daraus keine Rückschlüsse für mein Leben und mich ziehen kann. Was sollte ich auch an meiner Sicht auf die Realität ändern? Sollte ich etwa ebenfalls ein Teil der stumpfsinnigen, stillen Masse werden? Sollte ich all die Stumpfsinnigen für ihren einfachen Weg verdammen? Sollte ich mir vielleicht auch Schuldige suchen, die ich für alles Schlechte, was der Welt oder mir passiert, verantwortlich machen kann, nur um selbst unbesorgt zu leben? Nein, das kann und will ich nicht!

Midlife-Crisis – Brief 3: Der Abschied von der Realität

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Liebe Freundin,
danke für deine Antwort auf meinen letzten Brief. Ich muss dir leider recht geben, dass ich das, was ich dir mitteilen wollte, sehr abstrakt darstellte. Du meinst, dass ich mehr mit Beispielen arbeiten sollte, um besser zu veranschaulichen und zu verdeutlichen, was ich wirklich zum Ausdruck bringen möchte. Ja, damit hast du recht und ich denke, dass mir das früher, ohne dass ich mir wirklich Gedanken darüber machte, einmal wirklich gut gelang. Warum es mir jetzt nicht mehr gelingt? Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich die letzten Jahre eigentlich keine Briefe mehr schrieb und das meiste online erledigte. Selbst die Kommunikation mit meinen Freunden und Bekannten fand entweder durch Sprachnachrichten oder ein paar kurzen Zeilen, in den verschiedensten Chat- und Messangerprogrammen statt. Wann schreibt man denn auch heutzutage schon einmal ausführliche Mitteilungen oder teilt seine Gedanken jemanden schriftlich mit? Kaum! Und so ist es mit dem Schreiben, wie mit jeder Fähigkeit, die man besitzt, nämlich dass sie verkümmert, wenn man sie nicht mehr oder nur selten benutzt.

Midlife-Crisis – Brief 2: Lebensziele

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Liebe Freundin,
zuallererst einmal vielen Dank, dass du mir erlaubst, dich auch weiterhin mit meinen schriftlichen „Ergüssen“ zu behelligen.

Auf meinen letzten Brief hast du mir geantwortet, dass man erst ein gewisses Alter erreicht haben muss, um qualifizierte Entscheidungen treffen zu können. Ferner meinst du, dass das besonders auf die Entscheidungen zuträfe, die den eigenen Lebensweg beträfen. Entscheidungen, für die man Lebenserfahrung, einen Grundstock an Wissen und Verantwortungsbewusstsein benötigt, über das man in den ersten beiden Lebensdekaden noch nicht oder nur