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Autor: Johannes Raudonat

Bücher analog oder digital? Lieber online kaufen oder im Buchladen des Vertrauens?

Geschätzte Lesezeit: 12 Minuten

„Das analoge Wort ist tot, es lebe das Digitale.“ Diesen Satz sagte einmal ein Bekannter zu mir, als er mich, der einen dicken Wälzer in der Hand hielt, im Zug sitzend antraf. Ich sah ihn an, und meinte: „Hier hat das Wort noch Gewicht, entgegen der Flüchtigkeit des digitalen Wortes.“ Auf diese Antwort hin sah er mich fragend an und so fühlte ich mich genötigt ihm zu erklären, dass in der digitalen Welt jeder jeden Misst schreiben und den Leuten zugänglich machen könne. Also das jeder Mensch das machen könne was ich jetzt gerade mache, nämlich einen Text schreiben und ins Internet stellen. Ich erklärte ihn wie Leute wie ich, die solche Texte schrieben, dachten. Wie das „freie“ Autorenkollektiv des Internets schriebe was ihm gerade einfiele und seine erschaffen Texte online stelle, ohne das irgendwelche Überprüfung oder Korrektur durch Dritte stattfände. Und das alles in der Hoffnung, das Interesse eines geneigten Lesers zu wecken. Eines Lesers, der sich die Zeit nehme, den fabrizierten Text zu lesen, zu bewerten und eventuell die Aussage des Textes im Sinne des Autors zu verbreiten.

Ein Eichhörnchen philosophiert – Teil 3 – „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Viele Menschen kennen eine goldene Regel, die da lautet: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Lebten alle Menschen nach dieser golden Regel wäre die Welt sicher eine schönere. Doch betrachtet man sich die Menschen aus einer von ihnen losgelösten Perspektive, so fällt einem auf, dass selbst viele, die diese goldene Regel von sich geben, nicht nach ihr leben. Beispiele dafür findet man täglich im Alltag. Es sind die kleinen Lügen, die die Menschen benutzen, um für sich einen Vorteil herauszuschlagen. Es ist die „Geiz ist geil“-Mentalität, in der die Menschen immer das Billigste kaufen, obwohl sie dadurch die Ausbeutung anderer Menschen und Lebewesen unterstützen. Um auf die goldene Regel zurückzukommen, so kann ich mir nicht vorstellen, dass sich diese Menschen selbst gern belügen oder ausbeuten ließen. Also warum verhalten sie sich dann so, wie sie es tun?

Ein Eichhörnchen philosophiert – Teil 2 – Materialismus

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Deutsche Sprache, mehrdeutige Sprache. Wie so viele Worte der deutschen Sprache hat auch der Materialismus zwei wesentliche Bedeutungen. Die erste Bedeutung ist laut dem Duden: „materielle, auf Besitz und Gewinn bedachte Einstellung dem Leben gegenüber“ und die zweite Bedeutung „philosophische Lehre, die alles Wirkliche als Materie interpretiert oder von ihr ableitet“. Während ich an der zweiten Bedeutung nichts auszusetzen habe, möchte ich mich an dieser Stelle mit der ersten Bedeutung und einigen Ausprägungen einer auf den Materialismus ausgerichteten Gesellschaft beschäftigen.

Ein Eichhörnchen ist verliebt – Teil 2 – Wie ich mich in einen Menschen verliebte

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich sah sie das erste mal in einem Biergarten sitzen. In der einen Hand hielt sie eine selbstgedrehte, glimmende Zigarette, in der andere den Kern einer Walnuss. Sie hatte blondes langes Haar und spielte, während sie scheinbar nachdachte, mit der Walnuss. Ich saß über ihr, auf einen Ast und betrachtete die Nuss, mit der sie spielte. Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Mein Magen knurrte.

Ein Eichhörnchen beobachtet – Teil 3 – Wenn aus „Liebesbeziehungen“ Besitzverhältnisse werden

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Die meisten Menschen sehen Liebesbeziehungen als etwas Schönes. Es sind Beziehungen, in denen eine tiefe Verbundenheit und Vertrautheit herrschen sollte. Es sollten Beziehungen sein, in denen sich die Partner einander nah sind, aber dennoch genug Platz lassen, um sich individuell zu entfalten. Doch längst nicht alle „Liebesbeziehungen“, wenn man sie denn dann noch so nennen kann, sind so. Manchmal werden aus anfänglichen Liebesbeziehungen Besitzverhältnisse, oder besser ausgedrückt, manchmal vermittelt einer der Partner den Eindruck durch Tat und Sprache. Beispiele dafür sind, dass besagte Partner zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten Gesten machen, um keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, wer zu wem gehört. Doch nicht nur das, denn alleinig Gesten könnten ja falsch verstanden werden und so stellen die besagten Partner lauthals Fragen wie: „Gehen wir jetzt zu dir oder mir?“ Fragen wie diese, die wenig Interpretation bzgl. wer zu wen gehört lassen. Dabei wirkt dieses Verhalten eher unsicher. Manchmal erweckt es gar den Eindruck, als markierte ein Rüde sein Revier, um seine Konkurrenz fernzuhalten.

Ein Eichhörnchen beobachtet – Teil 1 – Sozial und rücksichtsvoll?

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ich war mit meinem Mensch im Zug unterwegs. Wir stiegen ein und suchten uns einen Platz. Kurze Zeit später kam ein bulliger Typ, schätzungsweise um die vierzig, und setzte sich in die Sitzgruppe neben unsere. Der bullige Typ holte, als er sich gesetzt hatte, seinen Laptop aus seiner Tasche und stellte ihn auf den Sitz, der gegenüber von ihm war und machte Musik an. Dabei benutzte er keine Kopfhörer, sondern hörte die Musik laut, mit den Laptoplautsprechern. Die Musik war dabei so laut, dass sie selbst mein Mensch, obwohl er selbst Musik mit seinen Kopfhörern hörte, sie so laut wahrnahm, dass er seine eigene Musik kaum noch verstehen konnte.

Die Gesellschaft der Versuchsobjekte

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Der Fortschritt ist etwas schönes. Der Grund dafür ist, dass wir länger, gesünder und von den meisten körperlichen Belastungen befreit leben können. Doch halt, ist dem wirklich so, oder wiegen wir uns nur in einer Scheinsicherheit und unsere Leben sind in Wirklichkeit nur Aneinanderreihungen von Experimenten, die wir an uns selbst vornehmen, oder die uns durch den gesellschaftlichen Konsens aufgezwungen werde. Einem gesellschaftlichen Konsens, dem man genügen soll, wenn man nicht im Abseits leben möchte.

Der Blick durch einen Konvexspiegel in (m)eine mögliche Zukunft

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ein Kaffee mit Freunden. Nette Gespräche über Banalitäten. Nichts Außergewöhnliches. Doch dann gesellte sich ein Mann hinzu und verwickelte mich in ein Gespräch. Er sprach mich auf mein Band-Shirt an, und auf das was abgebildet war. Da ich von Natur aus kein unfreundlicher Mensch bin, gab ich ihn Auskunft, worauf es zu einem Dialog, oder wenn ich ehrlich sein sollte, eher einen Monolog, kam. Die Unterhaltung bestand daraus, dass ich ihn reden ließ, und nur durch kurze Antworten, wenn er mich etwas fragte oder durch ein leichtes Nicken zu erkennen gab, dass ich ihn überhaupt noch zuhörte. Dabei war ich fasziniert von dem, was der Mann sagte, denn er war sichtlich belesen, und wie ich seiner Erzählung entnahm, hatte er auch studiert. Also konnte es sich bei ihm eigentlich nicht um einen dummen Menschen handeln. Doch dort stand er bei mir, mit einer Flasche Wein in der einen und einer Zigarre, an der er regelmäßig zog, in der anderen Hand und erzählte von dem Zusammenbruch der Gesellschaft. Er erzählte, wie Deutschland, ein Land das einmal das Land der Dichter und Denker war, sich selbst zu Grunde richtete. Er berichtete von seiner Liebe zur deutschen Sprache und Literatur, wobei er sagte, dass er wahrscheinlich nicht bis an sein Lebensende Deutsch spräche, da er auswandere, aber das er bestimmt bis zu seinem Tod Deutsch läse.

Das lyrische Ich hat was zu sagen

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Hallo, ich bin das lyrische Ich und mit den meisten von euch haben sich bereits meine Wege gekreuzt. Ich habe viele Namen und Eigenschaften. Mal bin ich ein Gott, mal ein Prophet und manch einmal auch nur eine einfache Fliege. Man könnte auch sagen, dass ich all das bin und auch sein kann, was sich der menschliche Geist vorzustellen mag.

Das Ich, Über-Ich und Es führen einen Diskurs

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Gerädert aufgewacht. Mein Kopf brummt. Quäle mich aus dem Bett. Schlurfe ins Bad. Spritze mir Wasser ins Gesicht. Hämmernde Kopfschmerzen. Was ist nur aus mir geworden? Warum trank ich den letzten Abend soviel? Schaue in mein Spiegelbild. In meinen Augen glaube ich etwas zu erkennen. In meinem linken Auge einen Gelehrten mit Büchern. In meinem rechten Auge eine Bestie, die in schweren, aber rostigen Ketten liegt, ausgezehrt aussieht, aber trotz ihrer Lage hämisch grinst.