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Autor: Johannes Raudonat

Midlife-Crisis – Brief 1: Prolog

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Liebe Freundin,
die Jahrzehnte vergehen und wir werden mit jedem Jahr, das vergeht, älter und kommen dem Tod einen Schritt näher. Wir werden älter und statistisch gesehen haben wir bereits die Hälfte unserer Leben verlebt.
Denke ich daran, dass bereits die Hälfte meines Lebens vorbei sein soll, so wird mir angst. Ich habe Angst, da ich noch kaum etwas von dem erreichte, was ich eigentlich in meinem Leben erreichen wollte. Denke ich zurück an meine Kindheit, so hatte ich viele Ziele und es wurden mit jedem Jahr mehr, bis ich schließlich zwanzig war. Mit zwanzig fingen sich meine Ziele langsam aber stetig an zu verfestigen. Ich begann auf sie hin- und sie abzuarbeiten. Wobei, „abgearbeitet“ habe ich eigentlich noch keines von ihnen. Stattdessen sind bei meinen Zielen immer weitere, neue Nuancen zum Vorschein gekommen. So hatte ich zwar immer grob die gleichen Ziele, doch wollte ich im Detail immer etwas anders machen, als vorher gedacht und geplant. Aufgrund dessen habe ich bisher eigentlich noch keines meiner Lebensziele endgültig erreicht und den entsprechenden Lebensfaden zu einem für mich befriedigenden Abschluss gebracht.

Verblassende Erinnerungen – Eine Einbriefkurzgeschichte

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Liebe Freundin,
die Zeit vergeht wie im Flug. Stunden, Tage, Monate und Jahre ziehen dahin und wir werden älter. Wir werden älter und beginnen zu vergessen. Schleier legen sich über unsere Erinnerungen und die Momente, die uns einst wichtig waren, verschwimmen hinter ihnen. Es sind Erinnerungen an persönliche Erlebnisse und Freunde, die einem das Leben im Guten wie im Schlechten prägten. Es sind Momente, die uns zu den Menschen machten, die wir heute sind. Doch die Zeit vergeht, Lebenswege ändern sich und manch einmal verliert man sich und seine Vergangenheit.
Der ein oder andere mag vielleicht behauptet, dass es das ein ums andere Mal ein Segen ist, vergessen zu können und sich nicht mehr an bestimmte Geschehnisse erinnern zu müssen. Doch im Laufe meines Lebens habe ich viel zu häufig festgestellt, dass dem nicht so ist. Bei Freunden, Bekannten und ich muss zugeben, auch mitunter bei mir selbst, bemerkte ich, dass man, wenn man die Vergangenheit vergisst, nicht selten auch die Lehren, die man aus dem einst Erlebten zog, verdrängt und aufgrund dessen die gleichen alten Fehler wiederholt.
Doch warum sollte sich in diesem Bezug auch der einzelne Mensch von unserer Gesellschaft als ganzes unterscheidenden? Warum sollte er sich erinnern, wenn doch häufig unsere Gesellschaft als ganzes die Vergangenheit vergisst und aufgrund dessen auch immer und immer wieder die alten Fehler wiederholt?

Das etwas andere Fasten – Tag 34 bis 46: Über egoistische Träume und das Ende meines Fastenprojektes

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Dies ist nun der letzte Beitrag zu meinem etwas anderen Fastenprojekt. Der letzte Beitrag, zu meinem Versuch, mir während der Fastenzeit einen noch nachhaltigeren Lebensstil, als ich ihn bisher pflegte, anzugewöhnen. Was mein Projekt betrifft, so muss ich sagen, dass ich es, trotz einiger Rückschläge, schaffte, meinen Lebensstil noch etwas nachhaltiger zu gestalten. So gab es zwar auch einige kleine Rückschläge, in denen mich die „Lust auf etwas Süßes“ übermannte, aber gut, Fehler und Fehltritte gehören zum Leben dazu und die Kunst ist es, sich durch sie nicht entmutigen zu lassen. Man sollte sich generell nie entmutigen lassen, sondern stattdessen immer weiter versuchen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, um dadurch immer bewusster und nachhaltiger zu leben.

Das etwas andere Fasten – Tag 21 bis 33: Genügsamkeit und Dankbarkeit

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Immer wieder habe ich den Eindruck, dass unsere Gesellschaft ein „undankbares Völkchen“ ist. Ich habe den Eindruck, da wir uns häufig nicht mit dem, was wir haben, zufriedengeben, sondern immer mehr und mehr haben möchten. Ja, wir sind wirklich nicht dankbar, selbst wenn wir an und für sich gut und gesund leben können. In den Köpfen vieler von uns ist ein „mehr und mehr“ verankert, dass viele von uns denken lässt, dass es für sie doch noch mehr, als sie bereits haben, im Leben geben muss. Genügend Essen? Egal, es müssen schon die besten Spezialitäten sein! Ein Dach über den Kopf? Nein, es sollte schon eine Eigentumswohnung oder ein Einfamilienhaus sein! Ein Auto, das uns sicher von A nach B bringt und dabei sparsam ist, oder der öffentliche Personennahverkehr, der uns mobil sein lässt? Nein, es muss möglichst immer der eigene Straßenpanzer sein, mit dem man über die Autobahnen und Landstraßen rasen kann, denn man möchte ja etwas hermachen!

Das etwas andere Fasten – Tag 13 bis 20: Aufmerksamkeit, Genügsamkeit oder die Kunst nur ein was zu machen

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Manch einmal braucht es Jahrzehnte, damit einem wieder bewusst wird, dass man als Kind einiges besser machte, als im späteren, sogenannten „Erwachsenenleben“. Zumindest geht es mir so.

Das etwas andere Fasten – Tag 8 bis 12: Selbermachen, Reparieren und Erneuern

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

In jedem von uns Menschen liegt ein gewisses Maß an Kreativität und die Begabung dafür, bestimmte Dinge gerne und gut zu bewerkstelligen. Doch in unserer heutigen Gesellschaft sehe ich mehr und mehr Menschen, die davon überzeugt sind, dass sie nichts haben, indem sie wirklich (handwerklich) gut sind. Der Grund für diese Selbsteinschätzung ist, dass in unserer Gesellschaft ein „Elitedenken“ herrscht und häufig nur die Menschen wirkliche Anerkennung finden, die zu den Besten gehören. Zu den Besten? Wer gehört schon dazu, wenn es immer jemanden gibt, der etwas besser als man selber kann? Durch dieses falsche Elitedenken kommt es dann dazu, dass viele Menschen resignieren und das, was sie eigentlich gerne und gut machen, für Zeitverschwendung, da unnütz, halten.

Das etwas andere Fasten – Tag 6 + 7: Wissen und Intelligenz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Wenn wir einmal ehrlich zu uns selber sind, so müssen wir zugeben, dass alle Menschen unwissend geboren werden. Wir Menschen werden geboren und wir lernen erst durch Nachahmung und ausprobieren, wie die Welt funktioniert. Wir imitieren andere und legen so die ersten Bausteine für unsere Leben. Ob unsere Leben aber selbstbestimmte Leben werden, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest, denn wir müssen erst einmal die Werkzeuge erlernen, die uns helfen, die Welt zu gestalten und zu verstehen.

Das etwas andere Fasten – Tag 5: Zeit

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Unablässig geht sie voran. Man kann sie nicht stoppen, sondern nur mit ihr Leben. Sie lässt alles wachsen und vergehen. Ich spreche von der Zeit. Von der Zeit, die wir Menschen versuchen zu messen und unseren Alltag anhand ihrer Unterteilung durchzuplanen. Dabei aber vergessen wir nur allzu oft, die Zeit wirklich gut zu nutzen. Wir vergessen, dass sie, wenn sie einmal verstrichen ist, nicht wiederkommt.

Das etwas andere Fasten – Tag 4: Sucht und Abhängigkeit

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten
Zwei Flachmänner, aber nicht nur Drogen wie Alkohol können süchtig machen.

Wir Menschen sind schwache Wesen. Wesen, die sich nur allzu leicht verführen und abhängig machen lassen. Dabei kann prinzipiell alles, was wir tun und was wir zu uns nehmen, uns süchtig und abhängig machen. Dabei können wir sowohl eine psychische oder physische Abhängigkeit entwickeln, also entweder eine geistige Abhängigkeit, in der wir fest davon überzeugt sind, etwas Bestimmtes zum glücklichen Leben zu brauchen, oder eine körperliche, die unseren menschlichen Leib nach einem bestimmten Stoff gieren lässt, da sich unser Körper auf die externe Zuvor des besagten Stoffes eingestellt und an diese angepasst hat. Hält man dann dem menschlichen Leib das Objekt seiner Begierde vor, so kann er mit Symptomen reagieren, die wie eine Krankheit wirken. Sie wirken wie eine Krankheit und die schnelle Linderung verspricht einzig und allein, die wieder zufuhr des enthaltenen Stoffes.
Ist die Sucht und die Abhängigkeit von Drogen noch vielen bekannt und wird aktiv in unserer Gesellschaft thematisiert, so ist die Sucht nach anderen Dingen, wie Computerspiele oder Zucker, noch nicht wirklich in den Fokus unserer Gesellschaft gerückt. Computerspielsucht, die meistens mit einer Flucht aus der Realität einhergeht, Zuckersucht, die über kurz oder lang den Körper genau so schädigt wie andere Substanzen, die offiziell als Drogen gelten und aufgrund dessen verboten sind. In meinem Leben habe ich bisher zweimal intensiv die Erfahrung gemacht, was passiert, wenn man viel zu viele zuckerhaltige Lebensmittel über einen längeren Zeitraum zu sich nimmt und sie anschließend fast gänzlich absetzt. Zweimal, einmal nach meiner Bachelor- und einmal nach meiner Master-Arbeit, während denen ich aus Stress viel zu viele süße Dinge aß und schließlich, als der Stress verschwand, wieder absetzte. Die ersten zwei, drei Tage merkte ich nichts davon, dass mir der Zucker fehlte, doch ab dem dritten oder vierten Tag fing ich immer an, unruhig zu werden, Kopfschmerzen zu entwickeln und mich abgeschlagen zu fühlen. Diese Symptome meines „Zuckerentzugs“ blieben meistens eine Woche, bevor ich anfing, mich wieder besser zu fühlen. Eine Woche, als Strafe dafür, dass ich nicht auf meinen Körper achtete und ihn zu viel Zucker zumute und ihn mit der Zeit daran gewöhnte.

Das etwas andere Fasten – Tag 3: Geschmack und Genuss

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

„Über Geschmack lässt sich nicht streiten.“ ist eine altbekannte Redensart, der ich nur zustimmen kann und doch möchte ich an dieser Stelle etwas über Geschmack schreiben. Ich möchte etwas darüber schreiben, wie ich persönlich den Geschmack bestimmter Lebensmittel empfinde und das, obwohl mir egal ist, ob mir die Leser*innen in meinen Ausführungen zustimmen.

Das etwas andere Fasten – Tag 1: fair trade / Weltläden

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
Weltladen Karlsruhe Kronenplatz

Weltläden, die früher auch noch „Dritte Welt“-Läden hießen, sind für „fair trade“-Produkte das, was Reformhäuser einst für Biolebensmittel waren, nämlich eine erste Anlauf- und Verkaufsstelle, die von Menschen betrieben wird, die erkannten, dass unser Konsum in der westlichen Welt viel zu häufig auf der Ausbeutung der Natur, anderer Länder und / oder der arbeitenden Bevölkerung beruht.
War das Ziel der ersten Reformhäuser, Produkte anzubieten, die naturnah und nachhaltig erzeugt wurden, so war es das Ziel der Weltläden, die faire Bezahlung der Erzeuger und somit die Lebenssicherung ebendieser, sowie ihrer Familien, zu gewährleisten.

Das etwas andere Fasten – Tag 0: Vorbereitungen / Vorwort

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Seit einigen Wochen trage ich mich schon mit dem Gedanken schwanger, einmal auch zu fasten. Zu fasten, wobei es nicht das christliche oder muslimische Fasten sein soll, denn mit Religion habe ich nicht wirklich etwas am Hut. Nein, es soll eine Art des Fastens werden, bei der ich versuche, meinem Konsum möglichst nachhaltig und fair zu gestalten.

Die Umarmung und die Gedanken

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Ein geselliger Abend geht zu Ende und es heißt Abschied nehmen. Es heißt sich von Menschen, die man mag oder nicht, wenn sie einem gar nicht vollkommen egal sind, Abschied zu nehmen. Es heißt, seine Sachen zusammenzupacken, seine Straßenkleidung anzuziehen und den gemeinsamen Abend abzuschließen, in der Hoffnung, dass er, wenn man ihn denn genoss, sich wiederholt.

Der Weg in eine bessere Zukunft?

Geschätzte Lesezeit: 24 Minuten

Es brodelt in unserem Land. Es brodelt und das nicht gerade leicht. Es ist nicht nur ein Sturm im Wasserglas, nein, ein hausgemachter Orkan fegt durch das Land. Wobei, es ist nicht nur ein Orkan, sondern viele. Viele, die aneinander geraten und Schneisen der Verwüstung hinterlassen. Überall gehen Menschen auf die Straße und demonstrieren. Menschen, die eine Meinungsminderheit repräsentieren, wobei das ja nicht passé schlecht ist. Schlecht ist nur, dass mittlerweile die „Minderheiten“, die auf die Straße gehen, nicht wie einst, die moralische und ethische Wahrheit auf ihrer Seite haben, nein, meistens sind es einfach unzufriedene Menschen, die sich über etwas beschweren wollen. Aufgrund der „Demonstrationen der Unzufriedenen“ bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass viele Menschen, nur noch auf Demonstrationen gehen, um ihrer persönlichen Unzufriedenheit Luft zu machen und andere dazu aufzufordern, etwas zu verändern, wobei die wenigstens sich selbst und ihre Leben hinterfragt oder ändern möchten. Nein, sich selbst hinterfragen und ändern wollen sich wahrlich die wenigsten, denn für viele von ihnen sind ja nur die anderen das Problem oder für die Probleme auf der Welt verantwortlich. So demonstrieren zwar einige wenige für eine gerechtere Welt und eine bessere Zukunft, aber andere dafür, dass alles so bleibt, wie es ist, egal, wie dann auch die Zukunft aussieht.

Der Wert des Lebens und der Welt

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Häufig, wenn ich wandern gehe, frage ich mich, welchen Wert eigentlich das Leben und die Welt haben. Ich frage mich das, da ich immer und immer wieder die Hinterlassenschaften, in Form von Müll, der Menschen sehe. Sehe ich den Müll, den die Menschen achtlos überall liegen lassen, nicht richtig entsorgen oder gar unnötigerweise produzieren und dadurch die (Um-)Welt und andere Lebewesen vergiften, glaube ich, dass das Leben und die Welt uns Menschen wenig wert ist.

„Die Zeit war (nicht) gut zu dir“ – Zwei ein Brief Kurzgeschichten

Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

Die Zeit war nicht gut zu dir

Liebe Freundin,
wir hatten uns seit fast einer Dekade nicht mehr gesehen, sondern nur noch über die sozialen Medien Kontakt gehalten, bevor du letzten Freitag übers Wochenende zu mir zu Besuch kamst. Du kamst und das Erste, das ich dachte, als ich dich nach all den Jahren wieder sah, war: „Die Zeit war nicht gut zu dir.“ Ich schämte mich für diesen Gedanken und so behielt ich ihn für mich. Ich behielt ihn für mich und begrüßte dich, wie man eben eine gute alte Freundin begrüßt, indem ich dich umarmte, wie wir es auch immer in unseren jungen Jahren getan haben. Doch etwas hatte sich verändert, denn als ich dich umarmte, verspürte ich nicht mehr die Wärme deines Körpers und ein angenehmes Gefühl der Vertrautheit, nein, stattdessen stieg mir sofort ein unangenehmer Geruch nach kaltem Zigarettenrauch in die Nase, der mich dazu brachte, nicht länger als unbedingt nötig, in deiner unmittelbaren Nähe zu sein. Es war ein unangenehmer Geruch. Es war ein unangenehmer erster Eindruck, den du mir da, nach all den Jahren unserer Freundschaft, vermitteltest. Doch auf den ersten Eindruck, vor allem wenn man alte Freunde trifft, soll man nicht so viel geben, sondern versuchen offenzubleiben, um einander wieder wirklich kennenzulernen. So versuchte ich offenzubleiben und das zu finden, dass unsere Freundschaft einst ausmachte, doch auch die Unterhaltungen, die wir am Wochenende führten und die Unternehmungen, die wir in Angriff nahmen, machten mir bewusst, dass leider der erste Eindruck, den ich nach all den Jahren wieder von dir hatte, der richtige war und von dem, was unsere Freundschaft einst ausmachte, nichts mehr viel übrig geblieben ist.

Über Gespräche unserer Zeit

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Ich bin müde, erschöpft von den Unterhaltungen unserer Zeit. Einst unterhielt ich mich gerne mit den Menschen. Ich lernte gerne neue Menschen kennen und diskutierte mit ihnen über Gott und die Welt. Doch irgendetwas änderte sich. Entweder ich mich oder sich meine Gesprächspartner. Es änderte sich die Unterhaltungskultur und es verschwand die generelle Freude an Diskussionen. Es verschwand das Interesse am Austausch von Meinungen und dem Bedürfnis seinen Horizont zu erweitern, um die Welt besser kennenzulernen und zu verstehen. Es verschwand das Bedürfnis sich selbst, durch Unterhaltungen, weiterzuentwickeln.

Ein Moment im Leben einer Schlange

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Erschütterungen des Erdbodens wecken mich. Verschlafen spüre ich ihnen nach. Sie kommen näher und näher. Sie ängstigen mich. Sie künden von Tod und Verderben. Wie viele meiner Freunde und Verwandten spürten die Erschütterungen, bevor sie starben?
Panik ergreift mein Herz und ich versuche zu flüchten. Ich versuche der Gefahr zu entkommen. Doch es ist zu spät. Ich schlängle mich gerade in Richtung Ausgang, in Richtung meiner vermeintlichen Sicherheit, als sich vor mir ein Abgrund auftut und ich ins Nichts stürze.

Der Ausstand

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Der Kuchen steht zusammen mit mehreren Kannen voll Kaffee und Tee auf den Tischen bereit. Doch, nicht nur das. Für den späteren Abend habe ich auch noch ein paar Kisten mit Limonade und Mineralwasser, sowie Tabletts mit belegten Brötchen organisiert. Doch, damit ist es immer noch nicht genug, zu guter Letzt, wenn die Gäste gingen, erhielte jeder von ihnen eine persönliche Geschenktüte. Eine Geschenktüte, die eine selbst geschriebene Abschiedskarte und ein kleines persönliches Präsent enthielte. Eine Abschiedskarte mit ein paar persönlichen Gedanken und Wünschen für die Zukunft und ein Geschenk, dass mit dem zu tun hat, was mich mit der jeweiligen Person einst verband. So enthielt die Geschenktüte, die ich einer Grundschulfreundin zu schenken gedachte, einen Gedichtband, da ich zusammen mit ihr, in der vierten Klasse, die Begeisterung für das Lesen und die Poesie entdeckte. Die Geschenktüte für einen Bekannten, aus meinem Abschlussjahrgang, enthielt dagegen eine Konzertkarte, da ich mit ihm das erste Mal in meinem Leben auf einem Rockkonzert war und aufgrund dessen mit ihm meine Liebe zur Musik verband.

Zum Nachdenken

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

In diesem Beitrag finden Sie einige kurze, fiktive Kommunikationsschnipsel, die dazu einladen sollen, über ihren Inhalt nachzudenken. Als Rahmenbedingung für die Kommunikationsschnipsel galt, dass sie handschriftlich auf einen Notizzettel von ca. 9 x 9 cm passen müssen.

Mein Platz (um ich selbst zu sein)

Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

Meine Füße tragen mich ohne ein bestimmtes Ziel durch die Welt. Sie führen mich durch meine Heimatstadt, in der ich seit Jahrzehnten wohne und durch Felder und Wälder, in denen ich ebenso lange schon Ruhe und Entspannung finde, oder besser gesagt, einst fand. Sie führen mich an Orte, die ich seit Dekaden kenne, und die mir doch seltsam fremd geworden sind.
Ich laufe an den Orten vorbei, an denen ich einige Freunde zum ersten Mal traf und stelle fest, dass sie sich verändert haben. Die alten Kneipen und Cafés sind verschwunden, genauso wie die Orte, an denen meine Freunde und ich, in unserer Jugend abhingen. Selbst der Ort, an dem ich das erste Mal ein Mädchen küsste, existiert nicht mehr. Der Zahn der Zeit zog durch die Straßen der Stadt, die Felder und Wälder und veränderte sie nachhaltig. Der Zahn der Zeit, der mit dem Tod von alteingesessenen Ladenbesitzern, Schicksalsschlägen und Katastrophen einherging, durch die sich immer und immer wieder Dinge änderten. Es verschwand althergebrachtes und machte neuem Platz. Neuem, aber auch besserem?

Der Nationalismus der privilegierten Deutschen

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich lese Zeitung und nationalistische Schlagzeilen springen mir ins Auge. Schlagzeilen, die davon künden, dass die Regierung versagte und nicht genügend getan habe, um Menschen zu schützen. Wobei Menschen, zu weit gefasst ist, denn die meisten Menschen sind den Schreibern der Schlagzeilen egal. Es geht ihnen nur um die deutschen Bürger, um das kostbare deutsche Blut. Es geht ihnen gegen den Strich, dass sich Deutschland einmal solidarisch mit seinen europäischen Nachbarn verhielt, wie es viele, viele Jahre lang immer und immer wieder forderten, und zusammen mit ebendiesen, seinen Nachbarn, Impfdosen gegen das Coronavirus kaufte. Zusammen mit unseren guten europäischen Nachbarn und jetzt schalt es auf allen medialen Kanälen, dass die Regierung versagt habe, da sie nicht den Alleingang zelebrierte und nach dem Motto vorging „Deutschland zuerst“. Es wird ein Impfnationalismus gefordert. Es wird gefordert, dass wir Deutsche als Erstes den Impfstoff, in ausreichender Menge, vor allen anderen bekommen. Ich höre die Menschen und kann nur mit dem Kopf schütteln. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, da wir, die wir in Deutschland leben, das Glück haben, mit zu den Ersten zu gehören, die Zugang zu einem Impfstoff haben, im Gegensatz zu vielen afrikanischen und asiatischen Ländern, die vielleicht noch Jahre warten müssen. Aber das möchte der „gute Deutsche“ nicht hören. Nein, der gute Deutsche sieht es als sein Recht an, als Erstes die Möglichkeit haben, sich Impfen zu lassen. Es gilt, erst er, dann der Rest der Welt.

Das Leben von Geschichten

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Hey du! Ja, genau du. Halt mal etwas Inne und setzt dich zu mir. Ich möchte dir etwas erzählen.

Warum zögerst du? Ich beiße nicht und das, was ich dir erzählen möchte, kostet dich nichts, außer einen Moment deiner Zeit.

Schau nicht so gehetzt auf deine Uhr und mache nicht so eine entschuldigende Geste. Wenn du so, wie jetzt, immer durch dein Leben hetzt, verpasst du es nur. Du verpasst es, da du keine bis wenige neue Erfahrungen sammelst und nur eine Lebensgeschichte schreibst, die aus dem ‚durchs Leben rennen‘ besteht.

Na also, setzt dich. Möchtest du einen Tee?

Hier bitte. Und jetzt zu dem, was ich dir erzählen möchte.

Der Fund

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Am 17.06.2020 lief ich von meiner Arbeitsstelle in Karlsruhe Maxau meine übliche Strecke nachhause. Da ein Gewitter angekündigt war, eilte ich mich, als ich plötzlich vor mir am Straßenrand unzählige Münzen auf einer Fläche von ca. fünfzig mal fünfzig Zentimeter liegen sah. Was tun? Bei mir dachte ich, dass das Auflesen der Münzen schon nicht zulange dauerte und so las ich sie alle auf. Als ich alle Münzen aufgelesenen hatte, war meine Hand gut gefüllt von ihnen. Das erledigt, setzte ich meinen Weg schnell fort, um nicht in den Gewitterguss zu kommen. Doch es gelang mir nicht, rechtzeitig mein trautes Heim zu erreichen. Als ich gerade das Hafensperrtor in Karlsruhe überquerte, begann es wie aus Kübeln zu gießen. Ich spannte schnell meinen Regenschirm auf, um nicht gänzlich durchweicht zu werden und setzte anschließend meinen Weg fort.

Timeout: Das Tagebuch eines Versuchs – Woche 2

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Die folgenden abfotografierten Seiten stammen aus meinem Gedankentagebuch, dass ich während meines „Timeouts“ von verschiedenen Dingen, die mich im Alltag belasten, führe. Meiner Meinung nach sind einige interessante Gedanken dabei, über die auch der ein oder andere vielleicht einmal nachdenken sollte. Doch da ich wahrscheinlich nie die Zeit finden werde, alle Gedanken meines „Gedankentagebuchs“ aufzugreifen und inhaltlich und sprachlich aufzubereiten, stelle ich sie einfach mal so, wie sie sind, nämlich unfertig, in den Raum, und lade jeden dazu ein, sie als Grundlage für Diskussionen, mit mir oder anderen, zu nehmen.

Liebesbrief

Geschätzte Lesezeit: < 1 Minute

Hat ein Liebesbrief in unserer heutigen Zeit noch Bedeutung? Eine Bedeutung, die eine Beziehung entstehen und / oder am Laufen halten und bereichern kann? Oder sind Liebesbriefe überholte Relikte aus einer anderen Zeit, die heute keine Bedeutung mehr haben?

Timeout: Das Tagebuch eines Versuchs – Woche 1

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Die folgenden abfotografierten Seiten stammen aus meinem Gedankentagebuch, dass ich während meines „Timeouts“ von verschiedenen Dingen, die mich im Alltag belasten, führe. Meiner Meinung nach sind einige interessante Gedanken dabei, über die auch der ein oder andere vielleicht einmal nachdenken sollte. Doch da ich wahrscheinlich nie die Zeit finden werde, alle Gedanken meines „Gedankentagebuchs“, aufzugreifen und inhaltlich und sprachlich aufzubereiten, stelle ich sie einfach mal so, wie sie sind, nämlich unfertig, in den Raum, und lade jeden dazu ein, sie als Grundlage für Diskussionen, mit mir oder anderen, zu nehmen.

Timeout

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Verpflichtungen und Gedanken stürzen tagtäglich auf mich ein. Sie gieren nach meiner Zeit und Aufmerksamkeit. Es sind Verpflichtungen, denen ich meine Aufmerksamkeit schenken muss, da ein Ignorieren oder gar ein Aufschub, schlimme Konsequenzen für Personen, die mir wichtig sind, oder mich selbst haben könnte. Doch als wären die Verpflichtungen noch nicht genug, so kommen Gedanken und Ideen wie Hagelschauer über mich. Jeder Gedanke oder jede Idee wie ein Hagelkorn, das mich schmerzhaft an der Seele trifft und zu Worten, einer Geschichte oder einer Erzählung werden möchte.

Nah am Wasser gebaut

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Handelnde Personen:
Lyrisches-Ich:
Mensch, dem in bestimmten Situationen schnell die Tränen in die Augen steigen.

Geschichte:
Sollte ich mich selbst beschreiben, beschriebe ich mich als einen normalen Menschen. Wobei, was ist dieses „normal“ in unserer heutigen Zeit schon? Vielleicht sollte ich mich auch als einen empathischen Menschen beschrieben, wobei diese Beschreibung den Nagel auch nicht auf den Kopf träfe. Wer oder was bin ich also?
Vielleicht sollte ich mir mal anschauen, wie mich andere Menschen bezeichnen. Mmh, also andere Menschen bezeichnen mich häufig als „crybaby“, „Memme“ oder „Heulsuse“, wobei das eigentlich auch nur Stigmatisierungen sind. Denn ich selbst denke nicht von mir auf diese Weise. Es mag vielleicht stimmen, dass ich nah am Wasser gebaut bin und mir häufig die Tränen in die Augen steigen, doch liegt die Ursache häufig nicht darin, dass ich vor körperlichen Schmerzen oder weil mich jemand mit oder ohne Grund anschreit, weine. Nein, es gibt andere Gründe. So steigen mir unter anderem Tränen in die Augen, wenn ich tagtäglich den menschlichen Irrsinn sehe oder von ihm höre. Ich könnte heulen, wenn ich von Geschehnissen höre, die zum Teil schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegen und mir bewusst wird, dass viele Gräueltaten, die damals geschahen, in gleicher oder leicht abgewandelter Form, heute immer noch geschehen. Ich könnte weinen, wenn ich sehe, wie die Menschen nichts aus Vergangen lernten und häufig geschichtsvergessen leben. Manchmal könnte ich auch wie ein Schlosshund heulen, wenn ich tagtäglich das Unverständnis und die Ignoranz vieler Menschen sehe, die bewusst oder grob fahrlässig andere Menschen, Tiere oder die Umwelt ausbeuten und zugrunde richten.

Anschuldigungen: Vom Leben und was einem im Alter reut

Geschätzte Lesezeit: 14 Minuten

Handelnde Personen:

Lyrisches-Ich:
Achtzigjähriger Mann, der in Deutschland aufwuchs und sein ganzes Leben in Deutschland lebte.

Geschichte:

Seit achtzig Lenzen lebe ich schon auf dieser Welt. Acht Dekaden lang erlebte ich hautnah, wie sich die Welt tagtäglich ändert. Ich sah Kriege und Krisen kommen und wieder gehen und ich durchlebte sie alle. Zeitlebens lebte ich nach dem Motto, „sei gut“ und „Bildung heißt, die Welt verstehen lernen“. Doch je mehr ich lernte, desto mehr merkte ich, dass viele Menschen irrationale Leben führen. Es gibt und gab viele Menschen, die auch „gut sein“ wollten, doch damit nicht bei sich anfingen, sondern immer auf andere zeigten, die etwas besser machen sollten. Doch ergriff dann wirklich mal jemand, der sein Metier verstand, die Initiative und übernahm eine Führungsrolle, kritisieren sie ihn häufig dafür, da mit dem Führen und zum Guten hinwenden, nur allzu oft Einschränkungen für die Lebensstile und Lebensmodelle der Einzelnen einherging. Besonders in Krisenzeiten, in denen sich die Politik an Expertenmeinungen orientierte, merkte man, dass es mit der Bildung vieler Menschen nicht weit her ist, denn Bildung heißt auch, dass man Medienkompetenz lernt und einsieht, dass man nicht alles wissen kann. Man kann auf unserer Welt, die gefühlt jeden Tag komplexer und komplexer wird, nicht alles wissen, und so muss man die Leute finden, die Ahnung von einem Thema haben, und ihnen anschließend auch ein Stück weit, vertrauen. Damit möchte ich nicht sagen, dass man ihnen blind vertrauen sollte, nein, das wäre falsch! Man sollte sich rational mit den Themen auseinandersetzen und Dinge kritisch hinterfragen, doch sie nicht nur ablehnen, weil sie einem gerade nichts ins Lebensmodell oder Weltbild passen. Doch viele Menschen tun genau das nicht! Viele Menschen vertrauen keinen Experten, wenn auf deren Expertise hin, ihre Lebensmodelle eingeschränkt oder ihre Weltbilder drohen zerstört zu werden. Diese Menschen suchen sich dann häufig „Gegenexperten“, auch wenn diese selbsternannten „Experten“ gar keine Expertise auf dem jeweiligen wissenschaftlichen Feld und das ein ums andere Mal auch, einfach Geltungssucht haben. Nicht selten werden dann diese Experten, durch sie, zu „verkannten Helden“ stilisiert, die die eigentliche Wahrheit sagen und Recht haben und ihre einzige Begründung dafür, dass diese „Experten“ recht haben, ist dabei häufig, dass sie gerade die Lebensmodelle und Weltbilder der betroffenen Menschen verteidigen. Von wissenschaftlichen Argumenten und fundierten Studien hört man dabei seltenst etwas. Kurz, es ähnelt eher theologischen, anstatt wissenschaftlichen Debatten.

Abschied vom Land und dem bisherigen Leben

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Die letzten Sachen sind gepackt. Die Wohnung gründlich durchgekehrt. Ein letzter Blick durch die Wohnung, ob wirklich alles eingepackt, weggeräumt und sauber ist. Ein letztes Mal die Tür hinter mir zuziehen und abschließen. Ein letztes Mal die Treppe heruntergehen. Ein letztes Mal in den Garten, um von den Pflanzen und Tieren, die mir Jahre meines Lebens, im Gegensatz zu vielen Menschen, gute Gefährten waren, Abschied zu nehmen. Von den Tieren und Pflanzen, denen ich über Jahre, manchmal vom Samen oder Jungtier, zum erwachsenen Lebewesen, in meinem Garten eine Heimat bot.

Über seelischen Ballast und das Loslassen und Gesundschrumpfen

Geschätzte Lesezeit: 15 Minuten

Ich gehe durch die Straßen unserer menschlichen Gesellschaft und sehe Menschen, die scheinbar schwer zu tragen haben. Mit müden, schweren Schritten und sogar manchmal mit gekrümmten Rücken begegnen sie mir. Dabei ist der Rücken dieser Menschen, in unserer heutigen Zeit, seltenst von „körperlicher“ Arbeit gekrümmt. Nein, die Krümmung hat ihren Ursprung in den materiellen Lebensumständen der Menschen und ihren psychischen Belastungen. Betrachte ich mir diese Menschen näher und sehe wie sie unter dem Ballast, den sie auf ihren Schultern mit sich durch ihre Leben tragen, leiden, wird mir Angst. Mir wird angst, da ich befürchte, auch eine dieser traurigen Gestalten zu sein und so wandert mein Blick, der ursprünglich auf die anderen Menschen gerichtet war, auf mich selbst und schließlich in mein Inneres. Mein Blick wandert zu meiner seelischen Verfassung und auf meine wirklichen Wünsche und Bedürfnisse. Dabei stelle ich leider immer wieder fest, dass auch ich nur einer der vielen Menschen bin, die im Laufe ihres Lebens Ballast anhäufen. Ballast, der sie behindert und ihre eigentlichen Ziele torpediert. Bei diesem Ballast handelt es sich dabei leider nicht immer um leicht greifbare Dinge. Nein! Bei dem Ballast ist häufig nichts händisch greifbar, sondern es handelt sich stattdessen häufig um etwas Abstraktes. Es handelt sich um etwas, das einem nicht selten schwer aufs Gemüt und auf die Seele drückt. Es liegt wie ein unbestimmter Schatten auf dem Leben und es ist etwas, dass einen daran hindert, wirklich glücklich zu werden. Kurz, es belastet die Seele und verhindert, dass man gut und nachhaltig, im Einklang mit sich selbst und der Umwelt, lebt.

Gemeinsam im Stillen sitzen und wollig schweigen

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wir sitzen auf einer Decke, auf dem Zimmerboden. Mit den Rücken lehnen wir an der Wand und mit den Köpfen und Schultern aneinander gelehnt. Vor uns, auf einem Couchtisch, steht eine Kerze, die das Zimmer in ein schwaches sanftes Licht taucht. Die brennende Kerze ist dabei die einzige Lichtquelle, die das Zimmer erhellt. Wir betrachten die Kerze, doch nehmen sie nicht wirklich wahr. Wir sitzen einfach schweigend, in aller Stille, da und genießen die Gegenwart des jeweils anderen. Wir gehen unseren individuellen Gedanken nach. Ich höre meine Partnerin sanft Atmen, während sie da, neben mir sitzt. Wenn ich mich auf sie konzentriere, spüre ich gar ihren Herzschlag, der ihren Körper jedes Mal minimal erbeben lässt. Ich könnte soviel zu ihr sagen. Ich könnte ihr sagen, was sie mir alles bedeutet, doch tue ich es nicht. Ich tue es nicht, da wir uns wirklich gut kennen und auch ohne Worte wissen, was wir einander bedeuten, was wir fühlen und denken.

Einsame Seelen

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Sie streifen unbemerkt umher. Tagtäglich begegnet man ihnen und merkt es doch häufig nicht. Man sieht sie und nimmt sie doch nicht wahr. Es sind einsame Seelen, die wie du und ich aussehen und in den gleichen Städten und Dörfern leben. Es sind traurige Gestalten, die ihre wahren Gedanken und Gefühle hinter Masken verbergen und häufig nach außen Freude zur Schau tragen. Doch trotz der zur Schau gestellten Freude spüren sie in ihren Herzen nur Einsamkeit und Trauer. Die einsamen Seelen sind Menschen, die man seltenst wahrnimmt und denen man sich noch seltener annimmt. Man lässt diese Menschen und das, was sie repräsentieren, links liegen, da man sich und sein eigenes Leben nicht belasten möchte. Man denkt, Unwissenheit schützt das eigene Glück und das eigene Gewissen.

Eine Nacht unterm Sternenhimmel

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Es war Dezember und wir waren im Nachbarort auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Auf den Weihnachtsmarkt blieben meine Freundin und ich dann länger als gedacht, so dass wir uns, als bereits die Nacht hereingebrochen war, zu Fuß auf den Nachhauseweg machten. Wir gingen zu Fuß, da es bereits so spät war, dass keine Züge mehr fuhren.
Wir liefen los und ließen sowohl den Weihnachtsmarkt, als auch den Ort hinter uns. Unser Nachhauseweg führt uns, auf einem Rad- und Wanderweg, durch verschiedene Felder und ein Waldstückchen. Der Weg war zwar nicht beleuchtet, wodurch wir durch die dunkle Nacht liefen, doch war dies der kürzeste Weg und wir hatten die Hoffnung, wenn wir ihn zügig begingen, in etwa einer Stunde zuhause zu sein. Da es uns mit voranschreitenden Weg kälter und kälter wurde, stellten wir bald alle Gespräche ein und zogen stattdessen unsere Mützen tief in die Stirn und unsere Schals bis vor die Nase. Kurz, wir packten uns so ein, dass das einzige, was von unseren Körpern noch exponiert dalag, ein Schlitz zwischen Mütze und Schal war, der unsere Augen freiließ.

Über die Lüge, dass „sich selbst treu bleiben“ immer gut ist

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Immer wieder höre ich von anderen Menschen, sein es Freunde oder Bekannte, Sätze wie die folgenden: „Das wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben.“ oder „Solange man sich treu bleibt, ist ja alles gut.“ Dabei hasse ich es, solche Sätze zu hören. Ich hasse es, da sie meiner Meinung nach häufig leichtfertig gesagt und darüber hinaus häufig nicht als guter Rat, sondern als Selbstschutz formuliert und ausgesprochen werden.

Sex, mit oder ohne Liebe?

Geschätzte Lesezeit: 12 Minuten

Neulich saß ich mit einigen Bekannten, sowohl vom weiblichen, als auch vom männlichen Geschlecht, zusammen und wir redeten über alles und nichts. Während dieser Unterhaltung kam unser Gespräch zu der Sache, die für viele Menschen das Schönste auf der Welt ist. Wir kamen auf das Thema „Sex“ zusprechen.
Auf das Thema kamen wir zu sprechen, als ein Bekannter meinte, das ein Freund von ihm ein Bordell besäße und mit ihm allein soviel Geld verdiene, dass er sich ein Leben in Luxus leisten könne. Danach gefragt, wie es sein könne, dass er mit einem Freudenhaus soviel Geld verdiene, antwortete mein Bekannter: „Schau dir doch mal die Sexarbeiterinnen an, die ihr Gewerbe nicht an irgendwelchen Straßenecken nachgehen, sondern in etwas gehobeneren Freudenhäusern. Sehen die betreffenden Frauen gut aus und sind sie von den Freieren gefragt, können sie an guten Tagen bis zu zwanzig Kunden bedienen. Jeder dieser Kunden lässt sich in aller Regel ein Bordellbesuche und die hundert bis hundertfünfzig Euro kosten. Das heißt, an guten Tagen kann eine Frau, einen Umsatz von bis zu Zwei-Dreitausend Euro generieren.“

Vom ersten und vom letzten Kuss

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Vor vielen Jahren hatten wir uns kennengelernt. Wir lernen uns in einem Restaurant kennen, in dem wir beide zufälligerweise, an der gleichen kulinarischen Veranstaltung teilnahmen. Bei der kulinarischen Veranstaltungen handelte es sich um ein Themenessen, bei dem alle Gerichte und Getränke einem Thema entsprechend ausgewählt, hergerichtet und gereicht wurden. Es war ein schöner Abend, an dem wir zuerst zögerlich, doch dann immer enthusiastischer eine aufregende Unterhaltung führten. Wir sprachen an jenem ersten Abend, unseres Kennenlernens, über Gott, die Welt und die menschliche Gesellschaft. Wir sprachen über Politik und darüber, wie unserer Meinung nach eine bessere Gesellschaft aussehen sollte. So verging die Zeit wie im Flug und als es Zeit wurde, Abschied zu nehmen, machten wir aus, uns mal wieder zu treffen, um die begonnene Unterhaltung fortzuführen.
Aus dem ersten und dem folgenden Treffen wurden schließlich unzählbar viele Treffen, bei denen wir über Gott und die Welt philosophierten oder einfach etwas gemeinsam unternahmen und eine schöne Zeit verlebten.

Leben in und auf verschiedenen Welten

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Betrachte ich mir die Menschen, die mit mir auf dieser Erde wandeln, so gewinne ich immer wieder den Eindruck, dass sich jeder von ihnen seine eigene Welt schafft. Seine eigene Welt, in und auf der er so lebt, wie es ihm gefällt. Es sind Welten, die sich die einzelnen Menschen erschaffen, um sie nach ihrem Gutdünken, also nach ihrem geistigen Horizont und ihrem persönlichen Wertesystem, zu gestalten. So schaffen sich die Menschen parallele Welten, die häufig nichts mehr mit der wirklichen Welt und dem, was auf ihr, in der Realität, passiert, zu tun haben.

Der Sinn des Lebens

Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

Ich hielt es nicht mehr aus. Tagtäglich der Lauf im Hamsterrad. Der Lauf, der nichts änderte und mich nirgendwo hinbrachte. Immer wieder die gleichen Fragen und immer wieder dieselben Antworten. Doch was war die Konsequenz? Was änderte sich mit der Zeit? Nichts! Alles blieb, wie es immer war.
Die Zeit verging und ich spürte, wie mir mein Alltag alle Lust nahm. Ich begann mich und mein Leben zu hinterfragen. Ich fragte mich, was wohl der Sinn des Lebens sei. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus. Ich drehte durch und kollabierte. „Ausgebrannt“ war das, was die Ärzte zu mir sagten. „Ausgebrannt“, körperlich und seelisch. Doch was tun? Ich wusste es nicht und die Menschen, in ihren Kitteln, die mir Helfen wollten, erreichten mich nicht. Ich fühlte mich unverstanden und leer. So leer.

Das letzte Gespräch einer Freundschaft

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Wir kannten uns schon seit Jahren und waren nach anfänglichen zwischenmenschlichen Problemen und Spannungen doch gute Freunde geworden. Wir waren gute Freunde geworden, die regelmäßig etwas miteinander unternahmen, sich über Gott und die Welt unterhielten und zusammen lachten und weinten. Doch die Jahre vergingen und irgendwann wurden die gemeinsamen Unternehmungen weniger. Unsere Leben entwickelten sich in unterschiedliche Richtungen und schließlich fiel es uns verdammt schwer, überhaupt noch gemeinsame Termine für Treffen zu finden und sie auch wahrzunehmen.

Liebesbekenntnis eines Umweltschützers

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ein Abendessen zu zweit. Wir kannten uns seit Monaten, wobei aus den Monaten schon Jahre geworden waren. Wir hatten gemeinsam gekocht und Zucchini-Nudeln zubereitet. Sowohl die Zucchini, als auch die notwendigen Gewürze hatten wir frisch im Garten geerntet. Jetzt standen die Teller mit den Zucchini-Nudeln auf den Tisch, zusammen mit einem Blumenstrauß, dessen einzelne Blumen ebenfalls frisch im Garten geschnitten worden waren.
Meine Bekannte, die zusammen mit mir gekocht hatte und jetzt bei mir am Tisch saß, mochte ich vom Herzen gerne. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sogar sagen, dass sich ein Gefühl von Liebe, für sie, in meiner Brust breit gemacht hatte. Doch ihr mein Gefühl von Liebe zu gestehen, hatte ich mir bisher noch nicht getraut. Es belastete mich sehr, dass ich es ihr bisher noch nicht sagte.

Von der Fortbewegung

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Der Mensch ist ein mobiles Wesen,
so ist es schon immer gewesen,
darum hat ihm die Revolution zwei Beine gegeben,
mit denen er auch längste Strecken kann zurücklegen.

Doch dem Mensch waren seine Beine nicht genug,
und so begann er an der Evolution einen Betrug,
in dem er seine Beine immer mehr schonte,
da sich das Laufen seiner Meinung nach nicht lohnte.

Vom Sterben einer Gemeinschaft und Gruppierung

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Mit zwei Bekannten sitze ich in einem Lokal, an einem Tisch. Die anderen Tische sind unbesetzt. Wir sind die einzigen Menschen im Lokal. Neben uns steht ein Tablett mit belegten Brötchen und einige Kisten mit Getränken. Wir warten. Auf wen? Das ist die Frage, die sich uns stellt, denn wir wissen nicht, wer noch kommt, wenn überhaupt noch jemand kommt.

Der Blick zurück

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Ich bin alt geworden. Jahrzehnte verlebte ich schon unter dieser Sonne, auf dieser Erde. Ich erlebte, wie die Erde trotz oder gerade wegen des technischen Fortschrittes von einem „wilden Paradies“ zu einer feindlichen Ödnis wurde. Ich blicke zurück auf ein Leben, in dem sich Leichenberge stapeln und ich, durch meine Lebensweise, dem Teufel die Hand schüttelte und ihm ein treuer Diener war.

Leben zwischen den gesellschaftlichen Schichten oder ich als Fremdkörper in der Gesellschaft

Geschätzte Lesezeit: 24 Minuten

Vorwort

Im Laufe meines Lebens durchlief ich verschiedene gesellschaftliche Schichten. Ich „stieg“ durch sie hindurch, auf meinem Bildungsweg, auf meiner Suche nach Wissen und Erkenntnis. Ich durchlief sie, auf meinem Weg von der Hauptschule bis zum Abschluss meines Studiums.
Auf diesem Weg, durch die gesellschaftlichen Schichten, schloss ich Freundschaften mit einigen Vertretern der einzelnen gesellschaftlichen Schichten. Zu meinem Leidwesen muss ich leider gestehen, dass fast alle Freundschaften, die ich auf meinem Weg durch die Schichten schloss, nur temporäre Freundschaften waren. Es waren Lebensabschnittsfreundschaften, die häufig und manchmal zu meinem Leidwesen, nur solange hielten, wie man sich fast täglich sah. Häufig verliefen sich die Freundschaften, wenn der gemeinsame Lebensabschnitt endete, und jeder seine eigenen Wege beschritt. Das Glück, eine „wahre“ Freundschaften zu führen, die über Jahrzehnte hält, eine Freundschaft, die bestand über alle gesellschaftlichen Schichten und über jegliche räumliche Distanz hat, war mir leider nicht vergönnt.
Trotz, dass es mir nicht vergönnt war, Freundschaften zu führen, die von Dauer waren, so lernte ich doch in jeder der gesellschaftlichen Schichten, die ich in meinem Leben durchlief, Menschen kennen, deren Wesen und Lebensart ich zu schätzen und achten lernte. Doch abgesehen von diesen Menschen gab es viele andere. Es gab Menschen, deren Art und Weise mir zuwider war und ich stellte fest, das bestimmte Einstellungen, in bestimmten gesellschaftlichen Schichten, vermehrt vorkamen, während andere Einstellungen scheinbar von allen gesellschaftlichen Schichten geteilt wurden. Natürlich gab es dabei auch Ausnahmen von der Regel, doch die waren leider selten.

Aus diesem Grund möchte ich hier folgend über meine subjektive Einschätzung, der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, die ich im Laufe meines Lebens durchlief, berichten. Dabei sei noch einmal gesagt, dass meine Beobachtungen keinesfalls auf alle Vertreter der einzelnen gesellschaftlichen Schichten zu treffen und komplett subjektiv sind, denn etwas anderes zu behaupten wäre falsch und anmaßend.